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March 5, 2021

„Lehrkräfte wurden hier heroisiert in dieser Zeit“ – Über Schule in Australien mit Eva Baker

„Lehrkräfte wurden hier heroisiert in dieser Zeit“ – Über Schule in Australien mit Eva Baker

Weniger Skepsis & mehr Positivität


Weniger Skepsis & mehr Positivität Eva Baker ist stellvertretende Institutsleiterin des Goethe-Instituts in Melbourne, Australien. Sie hat eine 9-jährige Tochter, die die deutsche Schule in Melbourne besucht und die während des Lockdowns im Homeschooling lernen musste. Im Podcast „School must go on“ spricht Eva Baker über digitale Infrastruktur, Datenschutz und die Rolle der Lehrer/-innen in Australien. – Gute digitale Infrastruktur – In Australien habe es schon vor Corona eine gute digitale Infrastruktur gegeben, sagt Baker. „An der Grundschule meiner Tochter wurde schon länger mit einer App gearbeitet. In der Schule wurde diese zusätzlich zu Tablets und Whiteboards in den Unterricht integriert, sodass der Umgang damit für die Kinder vertraut war“, erklärt die Mutter. Das Übergehen ins Homeschooling sei daher keine große Umstellung gewesen, da die Lehrkräfte über die App Wochenpläne erstellen, Sachen hochladen und Aufgaben korrigieren konnten. Zusätzlich habe es ein Konferenz-Tool gegeben, welches im Lockdown eingeführt wurde. „Die Kinder hatten darüber morgens einen Check-in, bei dem sie Kontakt mit ihrer Klasse und ihrer Lehrkraft hatten. Der Fokus lag dabei sehr auf dem sozialen Aspekt. Die Kinder konnten in Breakout-Rooms gehen und gemeinsam sprechen und spielen. Bei uns war es Zoom, aber das war ganz verschieden von Schule zu Schule“, berichtet Eva Baker. – Datenschutz: Nicht so eine Skepsis wie in Deutschland – In Australien gebe es nicht so viele Diskussionen über Datenschutz, wie das in Deutschland der Fall sei. „Das Department of Education macht manchmal Vorgaben, welche Software genutzt werden kann und welche nicht. Manchmal müssen Softwares auch von ihm genehmigt werden, aber in der Regel ist die Wahl der Software sehr frei und offen“, so die stellvertretende Institutsleiterin. Entscheidend bei der Genehmigung einer neuen Software sei beispielsweise, dass sie passwortgeschützt ist und Schüler sich nicht jederzeit einloggen können, sondern nur, wenn ein Betreuer auch eingeloggt ist. „Die Australier sind erstmal allem positiv gegenüber eingestellt. So eine Skepsis, wie ich das in Deutschland erlebe, gibt es hier nicht. Die Grundeinstellung hier ist eine andere und das überträgt sich nicht nur aufs Thema Datenschutz, sondern auf verschiedene Bereiche des Lebens.“ – Das Lehrer-Dasein in Australien – „Lehrer/-innen in Australien verstehen sich eher als Lernbegleiter“, berichtet Eva Baker. Sie seien jemand, der den Kindern Impulse gebe, diese die Aufgaben aber für sich lösen. Anschließend werde dann geschaut, ob die Schüler/-innen das Thema verstanden haben und wo die jeweilige Lehrkraft noch unterstützen kann. „Das ist das Gegenteil von Frontalunterricht.“ Das sei jedoch nicht der einzige Unterschied zu Deutschland. „Ich bin manchmal irritiert, wie oft in Deutschland über Lehrkräfte geschimpft wird. Wie ihnen nachgesagt wird, dass sie nur faul waren in den Ferien und nicht vorbereitet waren“, so Eva Baker. Das sei in Australien anders. „Lehrer/-innen wurden hier sehr heroisiert in dieser Zeit, es wurde anerkannt, was sie leisten“, erklärt sie. So habe der Premierminister des Staates, in dem Eva Baker mit ihrer Familie lebt, in seinen Ansprachen den Lehrkräften explizit gedankt. Auch die Eltern im Homeschooling haben festgestellt, was die Lehrkräfte alles leisten. „Lehrer/-innen sind hier sehr anerkannt, anders als in Deutschland. Ich sehe da einen großen Unterschied!“ Darüber hinaus spricht Eva Baker über das australische Schulsystem, „Distance Learning“, synchronen und asynchronen Unterricht, wie die Ausstattung mit Geräten abläuft, Benachteiligungen bei der Digitalisierung, ob die Pandemie das Lernen nachhaltig verändert hat, das Projekt „Enterprise German“ und den Podcast „Powerfrauen“.