#46 | «Lebenslanges Lernen war noch nie so wichtig wie heute». Gast: Marc Holitscher, Microsoft
Wenn Marc Holitscher den Wendepunkt seiner zwanzigjährigen Microsoft-Karriere benennen soll, zögert er nicht: November 2022, die öffentliche Verfügbarkeit von ChatGPT. Nicht weil damals die Technologie erfunden worden wäre, sondern weil sie plötzlich über das natürlichste aller Interfaces erreichbar war – die menschliche Sprache.
«Das hat einer viel grösseren Breite an Nutzerinnen und Nutzern die Möglichkeit gegeben, sehr persönlich, sehr direkt Technologie zu erleben», sagt der promovierte Politikwissenschaftler im Gespräch mit Moderator Christoph Soltmannowski.Zur Illustration greift Holitscher zu einem Beispiel, das er gerne erzählt: sein 91-jähriger Vater, der nie einen Computer benutzt habe – und plötzlich mit einer Maschine spreche, die ihm antworte.
Ein rhetorisch effektives Bild, das gleichzeitig die zentrale These des National Technology Officer transportiert: Künstliche Intelligenz demokratisiert den Zugang zu Wissen und Technologie.Soltmannowski hält dagegen. Microsoft, OpenAI, Apple – seien diese Konzerne nicht eher Ausdruck einer Machtkonzentration als einer Demokratisierung? Holitscher kontert mit einer Perspektivverschiebung: Nicht die Entwicklungsseite sei entscheidend, sondern die Adoption.
Und genau hier sieht er die Schweiz im Vorteil. Mehr als ein Drittel der KMU nutze KI bereits produktiv, mehr als ein Drittel der arbeitsfähigen Bevölkerung setze sich regelmässig mit den Anwendungen auseinander. «Diese Breite der Adoption und dieser Nutzungsfähigkeit ist in der Schweiz einzigartig.»Die 70-Prozent-FrageDoch die Zahlen erzählen auch eine andere Geschichte. 70 Prozent der Schweizer Führungskräfte, so eine regelmässige Microsoft-Umfrage, halten KI für entscheidend – gleichzeitig sind rund die Hälfte unsicher, ob ihre Organisation bereits über eine klare Vision und konkrete Umsetzungspläne verfügt. Woran liegt das? Holitschers Antwort verlässt das technische Terrain.
Es gehe nicht darum, «einfach überall etwas künstliche Intelligenz darüber zu streuen», sondern um Change Management, um Kultur, um Führung. Geschäftsleitungen müssten vorleben, wie die Instrumente eingesetzt werden – und gleichzeitig den Mitarbeitenden Raum für eigene Experimente lassen.Für ein KMU mit fünf Mitarbeitenden lautet seine konkrete Empfehlung: ein Werkzeug zur Verfügung stellen – «ob das jetzt Copilot oder ein anderes ist» –, Erfahrungen sammeln lassen, aber strukturiert begleitet durch interne «Champions», die den Austausch über Erfolge und Misserfolge organisieren. Holitscher unterscheidet dabei drei Adoptionstypen: Taker, die auf Standardlösungen setzen. Shaper, die diese auf eigene Bedürfnisse konfigurieren. Und Maker, die von Grund auf eigene Sprachmodelle entwickeln. Der Übergang vom Taker zum Shaper sei heute durch Low-Code- und No-Code-Werkzeuge so niederschwellig wie nie.Souveränität, Datenschutz, WahlfreiheitDie Diskussion um digitale Souveränität gehört zu den heikleren Passagen des Gesprächs. Soltmannowski adressiert das Argument direkt: Schweizer Anbieter würden warnen, man dürfe sensible Daten nicht den amerikanischen Hyperscalern anvertrauen. Holitschers Antwort ist routiniert und differenziert. Entscheidend sei die Wahlfreiheit der Kundinnen und Kunden. Microsoft betreibe seit 2016 Rechenzentren in der Schweiz mit dediziertem lokalen Personal und biete einen «Cocktail an Möglichkeiten technischer oder vertraglicher Art», um Datenschutz und Verfügbarkeit sicherzustellen. Diese erlauben Kundinnen und Kunden maximalen Schutz und Verfügbarkeit ihrer Daten in der Schweiz.Vom Tool zur KompetenzMicrosoft will bis 2027 eine Million Schweizerinnen und Schweizer KI-kompetent machen. Was «kompetent» konkret bedeutet, definiert Holitscher bewusst weit: Nicht alle sollen zu Expertinnen und Experten werden, sondern eine «grundlegende Beurteilungsfähigkeit» entwickeln. Dazu gehöre weniger der technische Skill als kritisches Denken, Kontextverständnis und das Einordnen von Resultaten.
Transkript: «AI und Gesellschaft – Wege in die neue Welt»
Gespräch mit Marc Holitscher, National Technology Officer Microsoft Schweiz
Moderation: Christoph Soltmannowski – Sprachlich bereinigte Fassung
Christoph Soltmannowski 00:00:18 Herzlich willkommen bei einer neuen Folge von «AI und Gesellschaft». Heute bei mir zu Gast ist Marc Holitscher. Grüezi Marc. Marc Holitscher ist National Technology Officer bei Microsoft Schweiz und gehört zu den profiliertesten Technologie- und KI-Experten des Landes. In seiner Rolle beschäftigt er sich damit, wie Cloud-Technologien und Künstliche Intelligenz sinnvoll und verantwortungsvoll in Wirtschaft und Gesellschaft eingesetzt werden können. Zuvor war er in verschiedenen leitenden Positionen bei Microsoft tätig und hat an der Universität Zürich in Internationalen Beziehungen promoviert. Wir sprechen heute darüber, wie KI unseren Alltag verändert, welche Chancen sich für Unternehmen und Kreative daraus ergeben, wo es klare Grenzen und Regeln braucht – und natürlich auch über Themen wie digitale Souveränität. Herzlich willkommen, Marc. Du bist seit 20 Jahren bei Microsoft. Jetzt kommt die KI: Was war der Schlüsselmoment, der Wendepunkt?
Marc Holitscher 00:01:14 Aus meiner Sicht klar die öffentliche Verfügbarkeit von ChatGPT im November 2022. Denn was damals geschah: Sehr leistungsfähige Technologien wurden plötzlich über eine sehr einfache, sehr natürliche Schnittstelle zugänglich – die menschliche Sprache. Das hat einer viel grösseren Breite an Nutzerinnen und Nutzern die Möglichkeit gegeben, Technologie persönlich und direkt zu erleben.
Marc Holitscher 00:01:49 Ich spreche gerne vom Beispiel meines 91-jährigen Vaters, der bis dahin keinen Computer genutzt und nie ein Betriebshandbuch gelesen hatte. Plötzlich konnte er mit der Maschine sprechen, und die Maschine antwortete ihm. Damit eröffnete sich ihm ein Zugang zu einem Fundus an Wissen und Erfahrungen, der bisher undenkbar gewesen wäre.
Christoph Soltmannowski 00:02:11 Das ist interessant: Durch die KI ist der Zugang zur Technologie einfacher geworden. Früher musste man auf dem Handy zwischen drei Buchstaben hin- und herwechseln, einen Internetzugang einzurichten war kompliziert. Heute spricht man einfach mit der Maschine.
Marc Holitscher 00:02:32 Genau. Deshalb sprechen wir auch häufig von einer Demokratisierung dieses Zugangs. Das gilt nicht nur für Privatpersonen, sondern auch für Unternehmen unterschiedlichster Grösse. Die Grösse eines Unternehmens ist heute kein Ausschlusskriterium mehr, um fortgeschrittene Technologien zu nutzen. Auch ein kleines oder mittleres Unternehmen kann niederschwellig Dinge ausprobieren, Geschäftsabläufe transformieren und allenfalls neue Geschäftsfelder erschliessen. Das ist letztlich entscheidend: dass man diese Chancen wahrnimmt.
Christoph Soltmannowski 00:03:25 Du sprichst von Demokratisierung. Darf ich dem etwas entgegenhalten? Es gibt diese Tech-Milliardäre und Grosskonzerne – Microsoft gehört bestimmt dazu, ebenso Apple, OpenAI und andere. Das ist doch eher das Gegenteil von Demokratisierung – nämlich Machtkonzentration.
Marc Holitscher 00:03:48 Das Ökosystem der Künstlichen Intelligenz – wie sie entwickelt, vor allem aber wie sie adoptiert und im Alltag genutzt wird – ist heute viel breiter aufgestellt als in vorhergehenden Innovationswellen. Wenn man die Schweiz betrachtet: Sie war schon immer exzellent darin, neue Technologien aus Forschung und Entwicklung schnell und präzise in die Praxis zu übersetzen, gerade in kleinen und mittleren Unternehmen, und dort neue Innovationen zu schaffen.
Christoph Soltmannowski 00:04:33 Die Schweiz ist nicht der Hort der grossen Erfinder, aber sie sind einfach …
Marc Holitscher 00:04:37 Ich glaube, es ist beides. Das schliesst sich gegenseitig nicht aus. Aber diese Adoptionsfähigkeit ist ein Muskel, der in der Diskussion häufig übersehen wird. Wir beobachten das auch bei der Künstlichen Intelligenz: Mehr als ein Drittel der kleinen und mittleren Unternehmen nutzt KI bereits produktiv im Geschäftsalltag. Mehr als ein Drittel der arbeitsfähigen Schweizer Bevölkerung setzt sich regelmässig mit KI auseinander und nutzt entsprechende Anwendungen, um neue Möglichkeiten zu erschliessen. Diese Breite der Adoption ist in der Schweiz einzigartig.
Christoph Soltmannowski 00:05:37 Ich habe gestern gelesen, wir liegen international auf Platz 14 – nicht schlecht. Aber es gibt auch Menschen, die KI explizit ablehnen, sogenannte «KI-Veganer». Gibt es Fehlannahmen, und ist es auch deine Aufgabe, für Klarheit und realistische Einschätzung zu sorgen?
Marc Holitscher 00:06:11 Ein Grossteil meiner Arbeit besteht genau darin, Zielgruppen – ob Verwaltungsräte, Geschäftsleitungen, Journalistinnen oder politische Entscheidungsträger – mit faktenbasierter Evidenz zu versorgen, damit sie informiert entscheiden können, ob und wie sie eine Technologie nutzen wollen. Diese Übersetzungsleistung ist enorm wichtig, gerade bei Technologien wie der Künstlichen Intelligenz und angesichts der Geschwindigkeit, mit der sie sich entwickelt. Die Menschen brauchen mindestens ein Grundverständnis ihrer Funktionsweise, um sie einordnen zu können.
Christoph Soltmannowski 00:07:09 Du sagst, 70 Prozent der Führungskräfte hätten noch keinen Plan für die Umsetzung. Ist das wirklich so?
Marc Holitscher 00:07:17 Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die Microsoft regelmässig durchführt. Auch hier spielt das Moment der Übersetzung eine Rolle: Wie kann ich als Führungskraft eine Technologie wirklich wertschöpfend nutzen? Es geht nicht darum, einfach überall etwas KI darüberzustreuen, sondern sie tief in die Arbeitsprozesse und in die Kultur eines Unternehmens zu verankern.
Marc Holitscher 00:07:55 Entscheidungsträger setzen sich häufig damit auseinander, den richtigen Anwendungsfall zu identifizieren – wo schafft KI tatsächlich Mehrwert? Das ist die eine Perspektive. Die andere: Es ist eine Change-Management- und Kulturaufgabe, die viel Führung erfordert. Eine Geschäftsleitung muss vorleben, wie man die Instrumente nutzt, welche Rahmenbedingungen zu beachten sind, damit der Einsatz sicher und konform erfolgt – und damit das Ganze auf das Unternehmen und die Mitarbeitenden motivierend und inspirierend wirkt.
Christoph Soltmannowski 00:08:52 Es gibt zwei Wege, das im Unternehmen zu verankern: Entweder sagt man den Leuten «Beschäftigt euch damit, experimentiert» – Freestyle. Oder man schränkt ein und sagt: «Arbeitet nur mit Copilot oder einem bestimmten Tool.» Was siehst du als richtigen Weg – Trial and Error oder klare Vorgaben?
Marc Holitscher 00:09:23 Den Leuten die Möglichkeit zu geben, selbst zu erkunden, selbst Erfahrungen zu sammeln und die Leistungsfähigkeit und Grenzen der KI kennenzulernen, ist ein guter und richtiger Weg. Das muss natürlich innerhalb gewisser Rahmenbedingungen geschehen, insbesondere im kommerziellen Bereich: Interne Daten, Geschäftsgeheimnisse und vertrauliche Dokumente dürfen den geschützten Rahmen des Unternehmens nicht verlassen. Diese verschiedenen Anforderungen unter einen Hut zu bringen, ist eine Führungsaufgabe – und genau hier liegen die 70 Prozent.
Christoph Soltmannowski 00:10:32 Wenn du ein Unternehmen mit fünf Mitarbeitenden hättest, das noch nie systematisch mit KI gearbeitet hat – was wäre der erste konkrete Schritt, den du empfehlen würdest?
Marc Holitscher 00:10:43 Ein Instrument zur Verfügung zu stellen – ob Copilot oder ein anderes –, das den Mitarbeitenden erlaubt, Erfahrungen zu sammeln und den eigenen Muskel zu trainieren.
Marc Holitscher 00:11:05 Wo unterstützt mich die KI tatsächlich? Wo kann ich produktiver sein, wo Probleme effektiver lösen? Und das entsprechend begleiten. Ich würde die Leute nicht allein lassen, sondern einen strukturierten Erfahrungsaustausch in der Firma etablieren. Das können sogenannte Champions sein – Mitarbeitende, die gezielt solche Gespräche moderieren und Erfahrungen sammeln: Was hat funktioniert, was nicht? Die Einführung dieser Technologie wird eng begleitet von entsprechenden Kultur- und Change-Management-Aktivitäten.
Christoph Soltmannowski 00:12:00 Du sprichst von der Unterscheidung zwischen Takern, Shapern und Makern. Was meinst du damit?
Marc Holitscher 00:12:08 Das ist eine Unterscheidung verschiedener Typen, wie KI übernommen und eingesetzt wird. Ein Taker ist jemand, der sich stark an Standardlösungen orientiert: Was ist auf dem Markt verfügbar, wo ist KI als Funktion oder Fähigkeit bereits integriert? Ein Shaper konfiguriert die Funktionalität einer solchen Anwendung stärker auf seine spezifischen Ansprüche – entwickelt sie quasi weiter.
Marc Holitscher 00:12:56 Der Maker ist ein Unternehmen, das von Grund auf neue Sprachmodelle programmiert und entsprechende Architekturen aufbaut. Der Einstieg erfolgt sehr häufig über die Standardlösung, gerade in kleineren Unternehmen, weil man so niederschwellig und schnell in die direkte Anwendung kommt. Ab einem gewissen Erfahrungs- und Reifegrad möchte man das Einzugsgebiet dieser Standardlösungen erweitern – etwa mit Agenten, die in andere Systeme eingreifen können. Entscheidend ist: Der Übergang vom Taker zum Shaper ist heute relativ einfach. Low-Code- und No-Code-Werkzeuge ermöglichen es, KI-Anwendungen ohne vertiefte Programmierkenntnisse bedarfsorientiert auszubauen.
Christoph Soltmannowski 00:14:32 Es gibt verschiedene Stufen, wie Menschen Feuer fangen – von totaler Ablehnung bis zu totaler Euphorie.
Christoph Soltmannowski 00:14:42 Aber grundsätzlich – wenn ich es richtig wiedergebe – wünscht ihr euch, dass bis 2027 eine Million Schweizerinnen und Schweizer KI-kompetent sind. Ab wann ist jemand kompetent?
Marc Holitscher 00:14:59 Das Ziel ist nicht, alle Schweizerinnen und Schweizer zu KI-Expertinnen und -Experten zu machen, sondern eine grundlegende Beurteilungsfähigkeit zu unterstützen. Worum geht es bei KI überhaupt? Was sind mögliche Anwendungsszenarien? Worauf muss man achten? Welche Kompetenzen jenseits der unmittelbaren Nutzung sind wichtig – kritisches Denken, Kontextverständnis, das Einordnen von Resultaten in einen breiteren Bedeutungszusammenhang? Diese Grundfähigkeiten gilt es in der notwendigen Breite zu vermitteln.
Christoph Soltmannowski 00:15:59 Der Umgang mit KI ist also nicht primär ein technischer Skill. Es geht auch um emotionale Intelligenz und kritisches Denken, das vermehrt angewendet wird.
Marc Holitscher 00:16:11 Absolut entscheidend sogar. Man muss sich bewusst sein, womit man es im Bereich der KI schlussendlich zu tun hat. In diesem Zusammenhang betone ich immer: Wir haben es mit sehr leistungsfähigen Prognosemaschinen zu tun.
Marc Holitscher 00:16:39 Das darf man nie vergessen. Mit den Resultaten und Antworten, die man zurückbekommt, soll man entsprechend mit gesundem Menschenverstand und einer gewissen kritischen Distanz umgehen. Man soll sie hinterfragen, so wie man das in anderen Diskussionen auch tut, und nicht als gegeben hinnehmen, was die Maschine zurückspielt.
Christoph Soltmannowski 00:17:15 Es geht um Fakten – Stichwort Halluzinationen – aber auch um das grosse Thema digitale Souveränität. Man gibt Daten ein, vielleicht heikle persönliche oder wirtschaftlich relevante Daten. Es gibt Anbieter aus der Schweiz, die sagen: Geht nicht zu Microsoft oder zu den grossen ausländischen Anbietern, wo andere Gesetze und Regeln gelten – wir müssen die Geschichte in der Schweiz halten. Was sagt ihr als Microsoft solchen Kunden?
Marc Holitscher 00:17:57 Entscheidend ist, dass Kundinnen und Kunden Wahlfreiheit haben. Ihnen steht ein Spektrum an Anwendungsmöglichkeiten und Architekturen zur Verfügung. Sie können je nach Ansprüchen und Risikoprofil selbst entscheiden, welche Produkte sie nutzen.
Marc Holitscher 00:18:24 Microsoft arbeitet seit 2016 intensiv mit regulierten Industrien und Akteuren der öffentlichen Hand zusammen. Wir haben über die Jahre verschiedenste technische, organisatorische und vertragliche Kontrollen aufgebaut – in der Schweiz beispielsweise die Datacenter, die wir hier betreiben und die ein enorm hohes Niveau an Datenschutz und Datensicherheit gewährleisten. Letztlich ist es die Wahlfreiheit, die zählt – und die Schweiz bietet sie: Wir haben ein breites Ökosystem von etablierten internationalen Unternehmen und sehr innovativen Schweizer Firmen, die in diesem Bereich Dienstleistungen anbieten. Konsumentinnen und Konsumenten können sich entsprechend ihren Ansprüchen frei bewegen.
Christoph Soltmannowski 00:19:35 Ihr gebt also die Garantie, dass die Daten in euren Schweizer Rechenzentren bleiben und nicht doch in Redmond oder anderswo landen?
Marc Holitscher 00:19:45 Wenn du konkret die Schweizer Datacenter und ihren operativen Betrieb ansprichst: Diese werden vor Ort von einem dedizierten Team unterhalten, abgesichert und weiterentwickelt. Wir haben über die Jahre einen Cocktail an technischen und vertraglichen Möglichkeiten zur Verfügung gestellt und entwickeln diesen kontinuierlich weiter.
Marc Holitscher 00:20:19 Diese erlauben Kundinnen und Kunden maximalen Schutz und maximale Verfügbarkeit ihrer Daten in der Schweiz.
Christoph Soltmannowski 00:20:32 Umgekehrt gefragt: Wie wichtig ist die Schweiz für Microsoft? Man sagt, im Bereich Robotik habe die Schweiz gute Voraussetzungen, zu einem «Valley» zu werden – zu einem Ort, an dem viel passiert.
Marc Holitscher 00:20:52 Die Schweiz bringt hervorragende Voraussetzungen mit, im Zeitalter der KI eine Führungsrolle zu übernehmen. Die Hochschulen spielen eine grosse Rolle, das ist klar – aber auch die eingangs erwähnte Adoptionsfähigkeit: Man kann hier relativ schnell neue Szenarien und Implementierungsmöglichkeiten der KI umsetzen. Die Schweiz ist für uns und für andere Technologiefirmen wichtig. Man sieht das daran, wer hier seine Büros unterhält und seine Forschungsaktivitäten intensiviert. Entscheidend für die Schweiz ist ihre Offenheit gegenüber neuen Ideen.
Marc Holitscher 00:21:54 Diese Flexibilität, sich auf neue Entwicklungen einzulassen, und gleichzeitig einen verlässlichen regulatorischen und rechtlichen Rahmen mit hohen Ansprüchen zu wahren.
Christoph Soltmannowski 00:22:11 Die Schweiz ist also bereit. Aber Schweizerinnen und Schweizer gelten kulturell als eher zögerlich. Wünschst du dir manchmal mehr Tempo?
Marc Holitscher 00:22:23 Ich glaube, die Schweiz beschreitet einen guten Weg. Man muss nicht immer der erste Anwender sein – aber der zweite, der es dann richtig macht, ist auch nicht so falsch.
Christoph Soltmannowski 00:22:40 Aber besteht nicht die Gefahr, dass man bei diesem rasanten Tempo von ausländischer Konkurrenz überholt wird?
Marc Holitscher 00:22:55 Die Geschwindigkeit ist ein Phänomen, das in dieser Intensität bisher nicht direkt erlebt wurde. Das ist das Neue daran: Weil die Technologie so nahbar ist, erleben wir diese Geschwindigkeit heute viel stärker in der Breite.
Marc Holitscher 00:23:20 Umso wichtiger ist es, dass wir in der Schweiz die Grundvoraussetzungen schaffen – auch in der breiten Bevölkerung –, damit niemand zurückgelassen wird und man die Entwicklungen nachvollziehen oder zumindest einordnen kann. So überwindet man die typische erste Reaktion auf neue Technologien, die häufig aus einer risikobehafteten Perspektive erfolgt. Das halte ich für sehr wichtig.
Christoph Soltmannowski 00:24:01 Aber ist es primär eine Führungsaufgabe – oder ist auch jede und jeder Einzelne gefordert, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen?
Marc Holitscher 00:24:09 Es ist beides. Im Unternehmensbereich sind die Geschäftsleitungen klar gefordert. Aber eine gewisse Eigenverantwortung kann man dem Einzelnen nicht absprechen. Ich bin überzeugt, dass lebenslanges Lernen noch nie so wichtig war wie heute. Ich ertappe mich auch häufig dabei, dass ich KI-Technologien in meinem Alltag noch gezielter und besser einsetzen könnte.
Marc Holitscher 00:24:53 Manche Möglichkeiten nutze ich noch nicht so, wie sie sich anbieten. Man ist selbst gefordert, immer wieder zu überlegen: Hätte ich das jetzt durch die Brille der KI anders lösen können? Die Resultate müssen nicht immer positiv ausfallen – auch das ist eine Erkenntnis. Aber diese eigene Fähigkeit kontinuierlich herauszubilden, unabhängig vom Alter oder von der Herkunft, halte ich für sehr wichtig.
Christoph Soltmannowski 00:25:37 Kommen wir zurück zum Beispiel deines 91-jährigen Vaters, der mit der Maschine spricht. Du sagst, wir würden in den nächsten Jahren viel weniger Apps nutzen und mehr sprechen. Verändert das auch unsere Beziehung zur Technologie?
Marc Holitscher 00:25:56 Wenn man die Entwicklung der letzten 30 bis 40 Jahre betrachtet: Die Intelligenz – oder die Rechenleistung – ist immer näher an den Menschen gerückt.
Marc Holitscher 00:26:14 Am Anfang war sie in Mainframes und Datenzentren, dann mit dem Personal Computer plötzlich unter dem eigenen Tisch, mit dem Handy in der Hosentasche. Diese Schnittstelle löst sich zunehmend auf. Damit wird KI – und Technologie generell – allgegenwärtiger, natürlicher erleb- und nutzbar.
Christoph Soltmannowski 00:26:45 Wenn wir in drei Jahren zurückblicken: Was, denkst du, machen wir im Moment falsch oder zu wenig?
Marc Holitscher 00:26:55 Das sind wahnsinnig schwierige Fragen.
Christoph Soltmannowski 00:26:58 Wenn wir es wüssten …
Marc Holitscher 00:26:59 Wenn ich das heute wüsste, würde ich mich einsetzen, dass wir es anders machen.
Christoph Soltmannowski 00:27:04 Gibt es Vorurteile, die dich nerven – die Menschen gegenüber KI haben?
Marc Holitscher 00:27:11 Wichtig ist – und da sind wir auf dem richtigen Weg, gerade in der Schweiz –, dass wir uns eine Offenheit gegenüber neuen Technologien und Innovationen bewahren und diese verantwortungsvoll nutzen.
Marc Holitscher 00:27:33 Die Schweiz mit ihrer humanitären Tradition ist ein sehr gutes Umfeld, um die Landung solcher neuen Technologien so zu gestalten, dass sie unserem Wertesystem entspricht: dass der Mensch im Zentrum steht, seine Bedürfnisse respektiert werden – und zwar auch in der Art und Weise, wie diese Technologien entwickelt, designt und eingesetzt werden. Ich bin daher zuversichtlich, dass wir in drei Jahren mit einem positiven Grundgefühl zurückblicken werden.
Christoph Soltmannowski 00:28:22 Noch ein wichtiges Thema: Microsoft hat sechs Prinzipien für Responsible AI. Worum geht es da grundsätzlich?
Marc Holitscher 00:28:34 Es geht darum, dass KI über den gesamten Lebenszyklus mit dem Anspruch der Verantwortlichkeit entwickelt und eingesetzt wird. Die sechs Prinzipien umfassen Fairness, Transparenz, Verlässlichkeit und weitere. Sie sollen bereits dann abgebildet sein, wenn Entwicklerteams für KI-Anwendungen zusammengestellt werden. Man achtet auf Diversität – bezüglich Geschlecht, Weltanschauung und Herkunft –, weil diese die Architektur solcher Anwendungen mitbeeinflusst.
Marc Holitscher 00:29:26 Verantwortlichkeit muss in der Anwendung selbst, im Design dieser neuen Fähigkeiten verankert sein. Das ist unser Anspruch.
Christoph Soltmannowski 00:29:42 Du bist viel in der Schweiz unterwegs. Demnächst trittst du in Laax auf. Worum geht es an diesem Anlass?
Marc Holitscher 00:29:52 Das ist der Mountain Summit, der Ende Mai zum ersten Mal stattfindet. Es geht darum, Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger aus Wirtschaft und Gesellschaft an diesem wunderschönen Ort auf dem Berg zusammenzubringen und gemeinsam zu überlegen: Was sind die neuesten Entwicklungen? Und wie kann KI gerade in peripheren Gebieten – wie eben Laax – konkret helfen? Einem regionalen KMU, einem Schreiner, einer Gemeindeverwaltung, einem Treuhänder? Es geht um die Übersetzung der technischen Möglichkeiten in relevante lokale Anwendungsbeispiele.
Christoph Soltmannowski 00:30:48 Es funktioniert also nicht nur in der Industrie oder in Downtown Zürich, sondern man kann es flächendeckend anwenden.
Marc Holitscher 00:31:00 Auf jeden Fall. KI ist eine Basistechnologie, die ihre Wirkung unabhängig von Industrie und Unternehmensgrösse entfalten kann.
Marc Holitscher 00:31:13 Gerade kleine Unternehmen sind spannend: Sie haben ressourcenseitig gewisse Beschränkungen und müssen sich mit der Frage auseinandersetzen, wie sie als Arbeitgeber attraktiv bleiben – damit auch junge Menschen nicht in die Städte abwandern, sondern in den Regionen bleiben und dort ihre wirtschaftliche Grundlage aufbauen.
Christoph Soltmannowski 00:31:48 Es gibt auch die konkrete Angst, dass KI ein Jobkiller ist. Wird das an solchen Anlässen thematisiert?
Marc Holitscher 00:31:58 Das ist Teil der Diskussionen, die wir mit unseren Kunden und im breiteren gesellschaftlichen Dialog führen. Eine einfache, pauschale Antwort gibt es nicht. Es wird Tätigkeitsprofile geben, die stärker verändert werden als andere. Dazu ein Gedanke: Ich habe vor zwei, drei Tagen einen Bericht der Zürcher Wirtschaftsforschung gelesen. Er zeigt auf, dass dem Kanton Zürich aufgrund des demografischen Drucks und der Pensionierungswelle in nächster Zukunft hunderttausende von Arbeitskräften fehlen werden.
Marc Holitscher 00:32:54 Der Bericht listet mögliche Massnahmen auf: Längeres Arbeiten ist eine Möglichkeit, um den Wohlstand der Bevölkerung zu halten. An zweiter Stelle steht der Einsatz von KI – verantwortungsvoll und mit klaren Rahmenbedingungen eingesetzt, kann sie dazu beitragen, den demografischen Wandel abzufedern. Das hat mich bestärkt: Auch in der Politik hat man verstanden, dass Technologie hier einen konkreten Beitrag leisten kann – immer unter der Voraussetzung, dass sie richtig eingesetzt wird, um gesellschaftliche Probleme zu lösen.
Christoph Soltmannowski 00:33:58 Aber es kommt nicht von allein. Man muss sich damit beschäftigen, kritisch bleiben und emotionale Intelligenz anwenden. Das sind die Inhalte, die ich aus unserem sehr interessanten Gespräch mitnehme. Gibt es noch etwas anzufügen? Gibt es Fragen, die dir zu selten gestellt werden?
Marc Holitscher 00:34:22 Nein, ich möchte einfach den Schlusspunkt von dir noch einmal unterstreichen: KI kann ihre Wirkungskraft nur entfalten, wenn das Zusammenspiel mit dem Menschen und die menschenzentrierte Anwendung funktionieren – und ihr entsprechend Sorge getragen wird. Die Technologie allein wird das nicht bewerkstelligen.
Christoph Soltmannowski 00:34:51 Dann danke ich dir ganz herzlich für dieses sehr interessante Gespräch.
Marc Holitscher 00:34:55 Ganz herzlichen Dank!
Transkript: «AI und Gesellschaft – Wege in die neue Welt»
Gespräch mit Marc Holitscher, National Technology Officer Microsoft Schweiz
Moderation: Christoph Soltmannowski – Sprachlich bereinigte Fassung
Christoph Soltmannowski 00:00:18 Herzlich willkommen bei einer neuen Folge von «AI und Gesellschaft». Heute bei mir zu Gast ist Marc Holitscher. Grüezi Marc. Marc Holitscher ist National Technology Officer bei Microsoft Schweiz und gehört zu den profiliertesten Technologie- und KI-Experten des Landes. In seiner Rolle beschäftigt er sich damit, wie Cloud-Technologien und Künstliche Intelligenz sinnvoll und verantwortungsvoll in Wirtschaft und Gesellschaft eingesetzt werden können. Zuvor war er in verschiedenen leitenden Positionen bei Microsoft tätig und hat an der Universität Zürich in Internationalen Beziehungen promoviert. Wir sprechen heute darüber, wie KI unseren Alltag verändert, welche Chancen sich für Unternehmen und Kreative daraus ergeben, wo es klare Grenzen und Regeln braucht – und natürlich auch über Themen wie digitale Souveränität. Herzlich willkommen, Marc. Du bist seit 20 Jahren bei Microsoft. Jetzt kommt die KI: Was war der Schlüsselmoment, der Wendepunkt?
Marc Holitscher 00:01:14 Aus meiner Sicht klar die öffentliche Verfügbarkeit von ChatGPT im November 2022. Denn was damals geschah: Sehr leistungsfähige Technologien wurden plötzlich über eine sehr einfache, sehr natürliche Schnittstelle zugänglich – die menschliche Sprache. Das hat einer viel grösseren Breite an Nutzerinnen und Nutzern die Möglichkeit gegeben, Technologie persönlich und direkt zu erleben.
Marc Holitscher 00:01:49 Ich spreche gerne vom Beispiel meines 91-jährigen Vaters, der bis dahin keinen Computer genutzt und nie ein Betriebshandbuch gelesen hatte. Plötzlich konnte er mit der Maschine sprechen, und die Maschine antwortete ihm. Damit eröffnete sich ihm ein Zugang zu einem Fundus an Wissen und Erfahrungen, der bisher undenkbar gewesen wäre.
Christoph Soltmannowski 00:02:11 Das ist interessant: Durch die KI ist der Zugang zur Technologie einfacher geworden. Früher musste man auf dem Handy zwischen drei Buchstaben hin- und herwechseln, einen Internetzugang einzurichten war kompliziert. Heute spricht man einfach mit der Maschine.
Marc Holitscher 00:02:32 Genau. Deshalb sprechen wir auch häufig von einer Demokratisierung dieses Zugangs. Das gilt nicht nur für Privatpersonen, sondern auch für Unternehmen unterschiedlichster Grösse. Die Grösse eines Unternehmens ist heute kein Ausschlusskriterium mehr, um fortgeschrittene Technologien zu nutzen. Auch ein kleines oder mittleres Unternehmen kann niederschwellig Dinge ausprobieren, Geschäftsabläufe transformieren und allenfalls neue Geschäftsfelder erschliessen. Das ist letztlich entscheidend: dass man diese Chancen wahrnimmt.
Christoph Soltmannowski 00:03:25 Du sprichst von Demokratisierung. Darf ich dem etwas entgegenhalten? Es gibt diese Tech-Milliardäre und Grosskonzerne – Microsoft gehört bestimmt dazu, ebenso Apple, OpenAI und andere. Das ist doch eher das Gegenteil von Demokratisierung – nämlich Machtkonzentration.
Marc Holitscher 00:03:48 Das Ökosystem der Künstlichen Intelligenz – wie sie entwickelt, vor allem aber wie sie adoptiert und im Alltag genutzt wird – ist heute viel breiter aufgestellt als in vorhergehenden Innovationswellen. Wenn man die Schweiz betrachtet: Sie war schon immer exzellent darin, neue Technologien aus Forschung und Entwicklung schnell und präzise in die Praxis zu übersetzen, gerade in kleinen und mittleren Unternehmen, und dort neue Innovationen zu schaffen.
Christoph Soltmannowski 00:04:33 Die Schweiz ist nicht der Hort der grossen Erfinder, aber sie sind einfach …
Marc Holitscher 00:04:37 Ich glaube, es ist beides. Das schliesst sich gegenseitig nicht aus. Aber diese Adoptionsfähigkeit ist ein Muskel, der in der Diskussion häufig übersehen wird. Wir beobachten das auch bei der Künstlichen Intelligenz: Mehr als ein Drittel der kleinen und mittleren Unternehmen nutzt KI bereits produktiv im Geschäftsalltag. Mehr als ein Drittel der arbeitsfähigen Schweizer Bevölkerung setzt sich regelmässig mit KI auseinander und nutzt entsprechende Anwendungen, um neue Möglichkeiten zu erschliessen. Diese Breite der Adoption ist in der Schweiz einzigartig.
Christoph Soltmannowski 00:05:37 Ich habe gestern gelesen, wir liegen international auf Platz 14 – nicht schlecht. Aber es gibt auch Menschen, die KI explizit ablehnen, sogenannte «KI-Veganer». Gibt es Fehlannahmen, und ist es auch deine Aufgabe, für Klarheit und realistische Einschätzung zu sorgen?
Marc Holitscher 00:06:11 Ein Grossteil meiner Arbeit besteht genau darin, Zielgruppen – ob Verwaltungsräte, Geschäftsleitungen, Journalistinnen oder politische Entscheidungsträger – mit faktenbasierter Evidenz zu versorgen, damit sie informiert entscheiden können, ob und wie sie eine Technologie nutzen wollen. Diese Übersetzungsleistung ist enorm wichtig, gerade bei Technologien wie der Künstlichen Intelligenz und angesichts der Geschwindigkeit, mit der sie sich entwickelt. Die Menschen brauchen mindestens ein Grundverständnis ihrer Funktionsweise, um sie einordnen zu können.
Christoph Soltmannowski 00:07:09 Du sagst, 70 Prozent der Führungskräfte hätten noch keinen Plan für die Umsetzung. Ist das wirklich so?
Marc Holitscher 00:07:17 Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die Microsoft regelmässig durchführt. Auch hier spielt das Moment der Übersetzung eine Rolle: Wie kann ich als Führungskraft eine Technologie wirklich wertschöpfend nutzen? Es geht nicht darum, einfach überall etwas KI darüberzustreuen, sondern sie tief in die Arbeitsprozesse und in die Kultur eines Unternehmens zu verankern.
Marc Holitscher 00:07:55 Entscheidungsträger setzen sich häufig damit auseinander, den richtigen Anwendungsfall zu identifizieren – wo schafft KI tatsächlich Mehrwert? Das ist die eine Perspektive. Die andere: Es ist eine Change-Management- und Kulturaufgabe, die viel Führung erfordert. Eine Geschäftsleitung muss vorleben, wie man die Instrumente nutzt, welche Rahmenbedingungen zu beachten sind, damit der Einsatz sicher und konform erfolgt – und damit das Ganze auf das Unternehmen und die Mitarbeitenden motivierend und inspirierend wirkt.
Christoph Soltmannowski 00:08:52 Es gibt zwei Wege, das im Unternehmen zu verankern: Entweder sagt man den Leuten «Beschäftigt euch damit, experimentiert» – Freestyle. Oder man schränkt ein und sagt: «Arbeitet nur mit Copilot oder einem bestimmten Tool.» Was siehst du als richtigen Weg – Trial and Error oder klare Vorgaben?
Marc Holitscher 00:09:23 Den Leuten die Möglichkeit zu geben, selbst zu erkunden, selbst Erfahrungen zu sammeln und die Leistungsfähigkeit und Grenzen der KI kennenzulernen, ist ein guter und richtiger Weg. Das muss natürlich innerhalb gewisser Rahmenbedingungen geschehen, insbesondere im kommerziellen Bereich: Interne Daten, Geschäftsgeheimnisse und vertrauliche Dokumente dürfen den geschützten Rahmen des Unternehmens nicht verlassen. Diese verschiedenen Anforderungen unter einen Hut zu bringen, ist eine Führungsaufgabe – und genau hier liegen die 70 Prozent.
Christoph Soltmannowski 00:10:32 Wenn du ein Unternehmen mit fünf Mitarbeitenden hättest, das noch nie systematisch mit KI gearbeitet hat – was wäre der erste konkrete Schritt, den du empfehlen würdest?
Marc Holitscher 00:10:43 Ein Instrument zur Verfügung zu stellen – ob Copilot oder ein anderes –, das den Mitarbeitenden erlaubt, Erfahrungen zu sammeln und den eigenen Muskel zu trainieren.
Marc Holitscher 00:11:05 Wo unterstützt mich die KI tatsächlich? Wo kann ich produktiver sein, wo Probleme effektiver lösen? Und das entsprechend begleiten. Ich würde die Leute nicht allein lassen, sondern einen strukturierten Erfahrungsaustausch in der Firma etablieren. Das können sogenannte Champions sein – Mitarbeitende, die gezielt solche Gespräche moderieren und Erfahrungen sammeln: Was hat funktioniert, was nicht? Die Einführung dieser Technologie wird eng begleitet von entsprechenden Kultur- und Change-Management-Aktivitäten.
Christoph Soltmannowski 00:12:00 Du sprichst von der Unterscheidung zwischen Takern, Shapern und Makern. Was meinst du damit?
Marc Holitscher 00:12:08 Das ist eine Unterscheidung verschiedener Typen, wie KI übernommen und eingesetzt wird. Ein Taker ist jemand, der sich stark an Standardlösungen orientiert: Was ist auf dem Markt verfügbar, wo ist KI als Funktion oder Fähigkeit bereits integriert? Ein Shaper konfiguriert die Funktionalität einer solchen Anwendung stärker auf seine spezifischen Ansprüche – entwickelt sie quasi weiter.
Marc Holitscher 00:12:56 Der Maker ist ein Unternehmen, das von Grund auf neue Sprachmodelle programmiert und entsprechende Architekturen aufbaut. Der Einstieg erfolgt sehr häufig über die Standardlösung, gerade in kleineren Unternehmen, weil man so niederschwellig und schnell in die direkte Anwendung kommt. Ab einem gewissen Erfahrungs- und Reifegrad möchte man das Einzugsgebiet dieser Standardlösungen erweitern – etwa mit Agenten, die in andere Systeme eingreifen können. Entscheidend ist: Der Übergang vom Taker zum Shaper ist heute relativ einfach. Low-Code- und No-Code-Werkzeuge ermöglichen es, KI-Anwendungen ohne vertiefte Programmierkenntnisse bedarfsorientiert auszubauen.
Christoph Soltmannowski 00:14:32 Es gibt verschiedene Stufen, wie Menschen Feuer fangen – von totaler Ablehnung bis zu totaler Euphorie.
Christoph Soltmannowski 00:14:42 Aber grundsätzlich – wenn ich es richtig wiedergebe – wünscht ihr euch, dass bis 2027 eine Million Schweizerinnen und Schweizer KI-kompetent sind. Ab wann ist jemand kompetent?
Marc Holitscher 00:14:59 Das Ziel ist nicht, alle Schweizerinnen und Schweizer zu KI-Expertinnen und -Experten zu machen, sondern eine grundlegende Beurteilungsfähigkeit zu unterstützen. Worum geht es bei KI überhaupt? Was sind mögliche Anwendungsszenarien? Worauf muss man achten? Welche Kompetenzen jenseits der unmittelbaren Nutzung sind wichtig – kritisches Denken, Kontextverständnis, das Einordnen von Resultaten in einen breiteren Bedeutungszusammenhang? Diese Grundfähigkeiten gilt es in der notwendigen Breite zu vermitteln.
Christoph Soltmannowski 00:15:59 Der Umgang mit KI ist also nicht primär ein technischer Skill. Es geht auch um emotionale Intelligenz und kritisches Denken, das vermehrt angewendet wird.
Marc Holitscher 00:16:11 Absolut entscheidend sogar. Man muss sich bewusst sein, womit man es im Bereich der KI schlussendlich zu tun hat. In diesem Zusammenhang betone ich immer: Wir haben es mit sehr leistungsfähigen Prognosemaschinen zu tun.
Marc Holitscher 00:16:39 Das darf man nie vergessen. Mit den Resultaten und Antworten, die man zurückbekommt, soll man entsprechend mit gesundem Menschenverstand und einer gewissen kritischen Distanz umgehen. Man soll sie hinterfragen, so wie man das in anderen Diskussionen auch tut, und nicht als gegeben hinnehmen, was die Maschine zurückspielt.
Christoph Soltmannowski 00:17:15 Es geht um Fakten – Stichwort Halluzinationen – aber auch um das grosse Thema digitale Souveränität. Man gibt Daten ein, vielleicht heikle persönliche oder wirtschaftlich relevante Daten. Es gibt Anbieter aus der Schweiz, die sagen: Geht nicht zu Microsoft oder zu den grossen ausländischen Anbietern, wo andere Gesetze und Regeln gelten – wir müssen die Geschichte in der Schweiz halten. Was sagt ihr als Microsoft solchen Kunden?
Marc Holitscher 00:17:57 Entscheidend ist, dass Kundinnen und Kunden Wahlfreiheit haben. Ihnen steht ein Spektrum an Anwendungsmöglichkeiten und Architekturen zur Verfügung. Sie können je nach Ansprüchen und Risikoprofil selbst entscheiden, welche Produkte sie nutzen.
Marc Holitscher 00:18:24 Microsoft arbeitet seit 2016 intensiv mit regulierten Industrien und Akteuren der öffentlichen Hand zusammen. Wir haben über die Jahre verschiedenste technische, organisatorische und vertragliche Kontrollen aufgebaut – in der Schweiz beispielsweise die Datacenter, die wir hier betreiben und die ein enorm hohes Niveau an Datenschutz und Datensicherheit gewährleisten. Letztlich ist es die Wahlfreiheit, die zählt – und die Schweiz bietet sie: Wir haben ein breites Ökosystem von etablierten internationalen Unternehmen und sehr innovativen Schweizer Firmen, die in diesem Bereich Dienstleistungen anbieten. Konsumentinnen und Konsumenten können sich entsprechend ihren Ansprüchen frei bewegen.
Christoph Soltmannowski 00:19:35 Ihr gebt also die Garantie, dass die Daten in euren Schweizer Rechenzentren bleiben und nicht doch in Redmond oder anderswo landen?
Marc Holitscher 00:19:45 Wenn du konkret die Schweizer Datacenter und ihren operativen Betrieb ansprichst: Diese werden vor Ort von einem dedizierten Team unterhalten, abgesichert und weiterentwickelt. Wir haben über die Jahre einen Cocktail an technischen und vertraglichen Möglichkeiten zur Verfügung gestellt und entwickeln diesen kontinuierlich weiter.
Marc Holitscher 00:20:19 Diese erlauben Kundinnen und Kunden maximalen Schutz und maximale Verfügbarkeit ihrer Daten in der Schweiz.
Christoph Soltmannowski 00:20:32 Umgekehrt gefragt: Wie wichtig ist die Schweiz für Microsoft? Man sagt, im Bereich Robotik habe die Schweiz gute Voraussetzungen, zu einem «Valley» zu werden – zu einem Ort, an dem viel passiert.
Marc Holitscher 00:20:52 Die Schweiz bringt hervorragende Voraussetzungen mit, im Zeitalter der KI eine Führungsrolle zu übernehmen. Die Hochschulen spielen eine grosse Rolle, das ist klar – aber auch die eingangs erwähnte Adoptionsfähigkeit: Man kann hier relativ schnell neue Szenarien und Implementierungsmöglichkeiten der KI umsetzen. Die Schweiz ist für uns und für andere Technologiefirmen wichtig. Man sieht das daran, wer hier seine Büros unterhält und seine Forschungsaktivitäten intensiviert. Entscheidend für die Schweiz ist ihre Offenheit gegenüber neuen Ideen.
Marc Holitscher 00:21:54 Diese Flexibilität, sich auf neue Entwicklungen einzulassen, und gleichzeitig einen verlässlichen regulatorischen und rechtlichen Rahmen mit hohen Ansprüchen zu wahren.
Christoph Soltmannowski 00:22:11 Die Schweiz ist also bereit. Aber Schweizerinnen und Schweizer gelten kulturell als eher zögerlich. Wünschst du dir manchmal mehr Tempo?
Marc Holitscher 00:22:23 Ich glaube, die Schweiz beschreitet einen guten Weg. Man muss nicht immer der erste Anwender sein – aber der zweite, der es dann richtig macht, ist auch nicht so falsch.
Christoph Soltmannowski 00:22:40 Aber besteht nicht die Gefahr, dass man bei diesem rasanten Tempo von ausländischer Konkurrenz überholt wird?
Marc Holitscher 00:22:55 Die Geschwindigkeit ist ein Phänomen, das in dieser Intensität bisher nicht direkt erlebt wurde. Das ist das Neue daran: Weil die Technologie so nahbar ist, erleben wir diese Geschwindigkeit heute viel stärker in der Breite.
Marc Holitscher 00:23:20 Umso wichtiger ist es, dass wir in der Schweiz die Grundvoraussetzungen schaffen – auch in der breiten Bevölkerung –, damit niemand zurückgelassen wird und man die Entwicklungen nachvollziehen oder zumindest einordnen kann. So überwindet man die typische erste Reaktion auf neue Technologien, die häufig aus einer risikobehafteten Perspektive erfolgt. Das halte ich für sehr wichtig.
Christoph Soltmannowski 00:24:01 Aber ist es primär eine Führungsaufgabe – oder ist auch jede und jeder Einzelne gefordert, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen?
Marc Holitscher 00:24:09 Es ist beides. Im Unternehmensbereich sind die Geschäftsleitungen klar gefordert. Aber eine gewisse Eigenverantwortung kann man dem Einzelnen nicht absprechen. Ich bin überzeugt, dass lebenslanges Lernen noch nie so wichtig war wie heute. Ich ertappe mich auch häufig dabei, dass ich KI-Technologien in meinem Alltag noch gezielter und besser einsetzen könnte.
Marc Holitscher 00:24:53 Manche Möglichkeiten nutze ich noch nicht so, wie sie sich anbieten. Man ist selbst gefordert, immer wieder zu überlegen: Hätte ich das jetzt durch die Brille der KI anders lösen können? Die Resultate müssen nicht immer positiv ausfallen – auch das ist eine Erkenntnis. Aber diese eigene Fähigkeit kontinuierlich herauszubilden, unabhängig vom Alter oder von der Herkunft, halte ich für sehr wichtig.
Christoph Soltmannowski 00:25:37 Kommen wir zurück zum Beispiel deines 91-jährigen Vaters, der mit der Maschine spricht. Du sagst, wir würden in den nächsten Jahren viel weniger Apps nutzen und mehr sprechen. Verändert das auch unsere Beziehung zur Technologie?
Marc Holitscher 00:25:56 Wenn man die Entwicklung der letzten 30 bis 40 Jahre betrachtet: Die Intelligenz – oder die Rechenleistung – ist immer näher an den Menschen gerückt.
Marc Holitscher 00:26:14 Am Anfang war sie in Mainframes und Datenzentren, dann mit dem Personal Computer plötzlich unter dem eigenen Tisch, mit dem Handy in der Hosentasche. Diese Schnittstelle löst sich zunehmend auf. Damit wird KI – und Technologie generell – allgegenwärtiger, natürlicher erleb- und nutzbar.
Christoph Soltmannowski 00:26:45 Wenn wir in drei Jahren zurückblicken: Was, denkst du, machen wir im Moment falsch oder zu wenig?
Marc Holitscher 00:26:55 Das sind wahnsinnig schwierige Fragen.
Christoph Soltmannowski 00:26:58 Wenn wir es wüssten …
Marc Holitscher 00:26:59 Wenn ich das heute wüsste, würde ich mich einsetzen, dass wir es anders machen.
Christoph Soltmannowski 00:27:04 Gibt es Vorurteile, die dich nerven – die Menschen gegenüber KI haben?
Marc Holitscher 00:27:11 Wichtig ist – und da sind wir auf dem richtigen Weg, gerade in der Schweiz –, dass wir uns eine Offenheit gegenüber neuen Technologien und Innovationen bewahren und diese verantwortungsvoll nutzen.
Marc Holitscher 00:27:33 Die Schweiz mit ihrer humanitären Tradition ist ein sehr gutes Umfeld, um die Landung solcher neuen Technologien so zu gestalten, dass sie unserem Wertesystem entspricht: dass der Mensch im Zentrum steht, seine Bedürfnisse respektiert werden – und zwar auch in der Art und Weise, wie diese Technologien entwickelt, designt und eingesetzt werden. Ich bin daher zuversichtlich, dass wir in drei Jahren mit einem positiven Grundgefühl zurückblicken werden.
Christoph Soltmannowski 00:28:22 Noch ein wichtiges Thema: Microsoft hat sechs Prinzipien für Responsible AI. Worum geht es da grundsätzlich?
Marc Holitscher 00:28:34 Es geht darum, dass KI über den gesamten Lebenszyklus mit dem Anspruch der Verantwortlichkeit entwickelt und eingesetzt wird. Die sechs Prinzipien umfassen Fairness, Transparenz, Verlässlichkeit und weitere. Sie sollen bereits dann abgebildet sein, wenn Entwicklerteams für KI-Anwendungen zusammengestellt werden. Man achtet auf Diversität – bezüglich Geschlecht, Weltanschauung und Herkunft –, weil diese die Architektur solcher Anwendungen mitbeeinflusst.
Marc Holitscher 00:29:26 Verantwortlichkeit muss in der Anwendung selbst, im Design dieser neuen Fähigkeiten verankert sein. Das ist unser Anspruch.
Christoph Soltmannowski 00:29:42 Du bist viel in der Schweiz unterwegs. Demnächst trittst du in Laax auf. Worum geht es an diesem Anlass?
Marc Holitscher 00:29:52 Das ist der Mountain Summit, der Ende Mai zum ersten Mal stattfindet. Es geht darum, Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger aus Wirtschaft und Gesellschaft an diesem wunderschönen Ort auf dem Berg zusammenzubringen und gemeinsam zu überlegen: Was sind die neuesten Entwicklungen? Und wie kann KI gerade in peripheren Gebieten – wie eben Laax – konkret helfen? Einem regionalen KMU, einem Schreiner, einer Gemeindeverwaltung, einem Treuhänder? Es geht um die Übersetzung der technischen Möglichkeiten in relevante lokale Anwendungsbeispiele.
Christoph Soltmannowski 00:30:48 Es funktioniert also nicht nur in der Industrie oder in Downtown Zürich, sondern man kann es flächendeckend anwenden.
Marc Holitscher 00:31:00 Auf jeden Fall. KI ist eine Basistechnologie, die ihre Wirkung unabhängig von Industrie und Unternehmensgrösse entfalten kann.
Marc Holitscher 00:31:13 Gerade kleine Unternehmen sind spannend: Sie haben ressourcenseitig gewisse Beschränkungen und müssen sich mit der Frage auseinandersetzen, wie sie als Arbeitgeber attraktiv bleiben – damit auch junge Menschen nicht in die Städte abwandern, sondern in den Regionen bleiben und dort ihre wirtschaftliche Grundlage aufbauen.
Christoph Soltmannowski 00:31:48 Es gibt auch die konkrete Angst, dass KI ein Jobkiller ist. Wird das an solchen Anlässen thematisiert?
Marc Holitscher 00:31:58 Das ist Teil der Diskussionen, die wir mit unseren Kunden und im breiteren gesellschaftlichen Dialog führen. Eine einfache, pauschale Antwort gibt es nicht. Es wird Tätigkeitsprofile geben, die stärker verändert werden als andere. Dazu ein Gedanke: Ich habe vor zwei, drei Tagen einen Bericht der Zürcher Wirtschaftsforschung gelesen. Er zeigt auf, dass dem Kanton Zürich aufgrund des demografischen Drucks und der Pensionierungswelle in nächster Zukunft hunderttausende von Arbeitskräften fehlen werden.
Marc Holitscher 00:32:54 Der Bericht listet mögliche Massnahmen auf: Längeres Arbeiten ist eine Möglichkeit, um den Wohlstand der Bevölkerung zu halten. An zweiter Stelle steht der Einsatz von KI – verantwortungsvoll und mit klaren Rahmenbedingungen eingesetzt, kann sie dazu beitragen, den demografischen Wandel abzufedern. Das hat mich bestärkt: Auch in der Politik hat man verstanden, dass Technologie hier einen konkreten Beitrag leisten kann – immer unter der Voraussetzung, dass sie richtig eingesetzt wird, um gesellschaftliche Probleme zu lösen.
Christoph Soltmannowski 00:33:58 Aber es kommt nicht von allein. Man muss sich damit beschäftigen, kritisch bleiben und emotionale Intelligenz anwenden. Das sind die Inhalte, die ich aus unserem sehr interessanten Gespräch mitnehme. Gibt es noch etwas anzufügen? Gibt es Fragen, die dir zu selten gestellt werden?
Marc Holitscher 00:34:22 Nein, ich möchte einfach den Schlusspunkt von dir noch einmal unterstreichen: KI kann ihre Wirkungskraft nur entfalten, wenn das Zusammenspiel mit dem Menschen und die menschenzentrierte Anwendung funktionieren – und ihr entsprechend Sorge getragen wird. Die Technologie allein wird das nicht bewerkstelligen.
Christoph Soltmannowski 00:34:51 Dann danke ich dir ganz herzlich für dieses sehr interessante Gespräch.
Marc Holitscher 00:34:55 Ganz herzlichen Dank!
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